Gesundheit
Einrad fahren verbessert Schulnoten
Ein Mensch lernt über seine Sinne (Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken, Riechen) das, was er mit den dazu korrespondierenden Sinnesorganen wahrnimmt.
Ein allgemein bekanntes Sinnesorgan ist das Ohr. Dort sitzt im knöchernden Labyrinth des menschlichen Innenohres das Gleichgewichtsorgan (vestibuläres System).
Das Gleichgewichtsorgan dient uns zur Wahrnehmung von Beschleunigungen und zur Bestimmung der Richtung der Erdanziehungskraft. Im Gleichgewichtsorgan gibt es Sinneszellen, die z.B. Beschleunigungsreize aufnehmen und diese über den VIII. Hirnnerv (nervus vestibulocochlearis) an Nervenkerne im Hirnstamm weiterleiten.
Diese Nervenkerne sind mit anderen Hirnregionen verschaltet und erhalten zusätzliche Informationen z.B. von den Augenmuskeln (visuelles System). Diese Verschaltung ermöglicht es uns, ein stabiles Bild während gleichzeitiger Kopfbewegungen wahrzunehmen. Ein stabiles Bild mit (unbewußter) Fixierung eines Punktes ist für unser Gleichgewicht (Balance) wichtig. Eine weitere Verschaltung ist die mit unserer Tiefensensibilität (propriozeptives System).
Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass das Gleichgewichtsorgan sowohl für die Orientierung im Raum wichtig ist, als auch für die präzise Steuerung der Kopfbewegungungen. Insbesondere bei Bewegungen im Dunklen oder bei komplexen Bewegungen wie sie Turner oder (Einrad)-Artisten ausführen, scheint es eine weitere wichtige Rolle zu spielen.
Prof. Dr. Eckhard Hoffmann: "Erfolgreiches Lernen und der Gleichgewichtssinn hängen eng zusammen"
Die Hochschule Aalen untersuchte im Jahr 2008 unter Leitung von Herrn Prof. Dr. Eckhard Hoffmann in Zusammenarbeit mit dem hessischen Kultusministerium (Arbeitsgebiet Schule & Gesundheit) an 10 hessischen Schulen bei 3338 Schülerinnen und Schüler der Klassen 1-10 den Gleichgewichtssinn. Schriftliche Befragungen zu Hör- und Sehgewohnheiten sowie zusätzliche Lärmmessungen ergänzten die Untersuchungen.
"Die Ergebnisse der Gleichgewichtstests offenbaren große Defizite bei vielen Schülerinnen und Schülern aller Schulformen. Bei Haupt- und Realschülern sind Schüler mit angemessenem und zu erwartendem Gleichgewicht in der Minderheit", erläuterte Prof. Dr. Hoffmann die Ergebnisse.
Schüler und Schülerinnen mit schlechtem Gleichgewicht haben über die gesamte Schullaufbahn schlechtere Noten in Deutsch und Mathematik, tendenziell auch in Sport.
Der Unterschied zu den Schülern mit gutem Gleichgewicht beträgt je nach Fach 0,7 Notenstufen. Bei Haupt- und Realschülern weist nur jeder 4. Schüler und nur jede 3. Schülerin die zu erwartende Gleichgewichtsleistung auf.
Gleichfalls in Gymnasien und Gesamtschulen zeigen nur 60% der Schüler und 70% der Schülerinnen adäquate Gleichgewichtsleistungen - weitere Informationen unter http://www.htw-aalen.de
Die zum Nachdenken anregende Botschaft aus dieser Studie: "Viele Schüler haben ein schlechtes Gleichgewicht"
Die gute und ermutigende Botschaft aus dieser Studie: "Gleichgewicht kann ich selbst durch Training verbessern"
Einrad fahren zur Verbesserung des Gleichgewichts - wie schön und erfolgreich sind doch Körperbalance und Entwicklung des Geistes verbunden?
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